Eine Kunstaktion
von Rebecca Gischel
& Herrmannsdorfer
Was passiert, wenn sich Kunst, Ort und Leben wirklich voneinander berühren lassen?
Auf dieses Wagnis wollte sich die Münchner Künstlerin Rebecca Gischel einlassen – und Herrmannsdorfer hat seine Türen geöffnet.
Die Kunstaktion beginnt im
Juni 2026 und endet im Oktober
in einem gemeinsamen Ritual am Viktualienmarkt in München.
„Das Ritual vom Gehen & Werden” handelt vom Leben – und seinem ewigen Kreislauf.
13 Ferkel werden geboren – ein Anfang.
13 neugierige Blicke auf die Welt.
Neues Leben.
Schlafen.
Mutterkuscheln.
Reines Sein.
Wovon träumt
ein Ferkel?
Ein Wald voller Verstecke.
Zarte Scheu –
die Neugier siegt.
Selbstvergessenes Schnüffeln.
Wie viele Gerüche
kennt ein Schwein?
Frech,
verspielt,
zärtlich
verschmust –
so viele
Persönlichkeiten
wie Schweine.
Und jeder Tag:
Ein neuer Tag
voller Abenteuer.
Mehr folgt
in Kürze.
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Kunstaktion von
Rebecca Gischel & Herrmannsdorfer
Fotos: © Andreas Gregor
Stationen
Eine philosophische Betrachtung
Wir sind keine isolierten Einzelwesen, die sich unabhängig voneinander den Weg durchs Leben bahnen. Im Gegenteil – durch jeden Atemzug, jedes Wort und jede Mahlzeit sind wir unablässig mit allem Sein verwoben. Ein ewiger Kreislauf.
Der Tod des einen Lebewesens bedingt den Fortbestand des anderen; meine bloße Existenz verdrängt anderes Sein, ob ich will oder nicht – und ermöglicht gleichzeitig anderes. Vom Sternenstaub bis zum Schinken – Materie vergeht nicht; sie wandelt sich, nimmt neue Formen an und bildet damit die Grundlage allen weltlichen Lebens. Wir alle werden mit unserer Geburt zu einem natürlichen – und damit wichtigen – Teil dieses Kreislaufs. Nicht ausgesucht, und doch unausweichlich.
Diese Grundbedingung – dass meine Existenz auf das Sterben, Zurückweichen und Vergehen anderer Seinsformen angewiesen ist, ob Mensch, Tier oder Pflanze – wirft zwangsläufig die Frage nach Schuld auf. Der Philosoph Karl Jaspers zählt diese Schuld zu den Grenzsituationen der menschlichen Existenz: unausweichlich, unauflösbar – und gerade deshalb etwas, wozu wir ein Verhältnis finden müssen.
„Indem ich tätig das Leben ergreife, nehme ich also anderen weg, lasse ich in den Verstrickungen die Unreinheit der Seele entstehen, verletze ich durch meine ausschließliche Verwirklichung im Zurückweisen mögliche Existenz."Jaspers, 247
Jeder Ausweg aus dieser Schuld ist selbst schon wieder ein Ausweichen. Wer aufhört, tätig am Leben teilzuhaben, um sich nicht schuldig zu machen, begeht laut Jaspers nur „ein Sichversagen vor der Forderung der Welt". Und wer sich achselzuckend abfindet – es ist ja ohnehin alles egal –, weicht ebenso der Verantwortung aus, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Auch ein bloßes Wegsehen wird der Tiefe unserer Existenz nicht gerecht.
Diese Spannung ist unserem Sein von Beginn an eingeschrieben und wird sich nie auflösen lassen. Jaspers schlägt keinen Ausweg vor, sondern eine Richtung: vermeidbare Schuld tunlichst zu meiden – um darüber, ohne inneres Ausweichen, zur eigentlichen, unvermeidbaren Schuld vorzudringen.
Vielleicht bedeutet die radikale Hinwendung zur Unausweichlichkeit der Schuld etwas ganz anderes, als in Selbstmitleid und Trübsal zu verfallen. Ganz im Gegenteil: Indem wir uns vor Augen führen, dass wir alle durch einen ewigen Kreislauf miteinander verbunden und verwoben sind und unsere Existenz einen hohen Preis einfordert, können wir eine Ahnung von unserem Sein erhaschen: Denn vielleicht schimmert gerade darin der tiefe Wert des Lebens durch.
Gerade indem man der eigenen Verstrickung mit der Welt nicht ausweicht, sondern sich dieser Tatsache bewusst stellt, kann etwas ganz anderes entstehen als innere Schwere – nämlich tiefe Dankbarkeit. Indem ich anerkenne, dass für mein eigenes Leben anderes Leben – ob Tier oder Pflanze – Opfer bringen musste, kann ich zu einer ganz neuen Wertschätzung gelangen. Gegenüber jedem Atemzug, durch den ich Anteil am ewigen Kreislauf des Lebens haben darf. Gegenüber jedem Blick, den ich staunend in den Sternenhimmel werfe. Gegenüber Brot und Schinken auf meinem Teller.
So lange, bis sich schließlich auch meine Form wandeln wird und als Erde die Grundlage für neues Sein bildet.
Der ewige Kreislauf.
— Rebecca Gischel, Juni 2026
Quelle: Jaspers, Karl. Philosophie. 4th ed., vol. II, Heidelberg, Springer, 1973
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Quelle: eRecht24
Design: @ Rebecca Gischel
Fotografie: © Andreas Gregor
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